ETRE-FORT unterstützt Parkour-Communities auf der ganzen Welt. Dabei kommen wir immer wieder in Kontakt mit den verschiedenen Menschen, die hinter diesen Communities stehen und sich mit Leib und Seele für Parkour einsetzen. Eine solche Persönlichkeit soll im Folgenden vorgestellt werden: Janis Geiger ist Trainer bei der ParkourONE Academy in Berlin und gibt weltweit Parkourkurse mit dem Schwerpunkt Diversity. In einem Interview erzählt er, wie er als gehörloser Traceur Parkour trainiert und unterrichtet und welche Bedeutung der Slogan «être fort pour être utile» für ihn hat. deutschen Version von WordPress. Dies ist der erste Beitrag. Du kannst ihn bearbeiten oder löschen. Und dann starte mit dem Schreiben!

Être fort pour être utile. 

Être fort pour être utile. – Stark sein, um nützlich zu sein.
Im Leben als „Sourd Traceur“ (tauber Parkour-Sportler) gibt es viele Hindernisse und hohe Mauern, die man metaphorisch gut mit Barrieren im Leben vergleichen kann. Ich denke schnell „ey, das ist ja gar nicht möglich“ und gleichzeitig „ich möchte das schaffen“. Das Ergebnis: ein inneres, sich widersprechendes Chaos. Das habe ich schon einmal ausführlich im Artikel Parkour und ich” beschrieben. Schaut doch mal rein.

Wie lange trainierst du und wie bist du zu Parkour gekommen? 

Schon bevor ich im Jahr 2008 durch einen Bekannten auf das Wort “Parkour“ stieß, habe ich mich gerne und viel bewegt. Ich hab’ verschiedene Leistungs-, Ball- und Kampfsportarten und auch Kampfkunst, Turnen und Akrobatik ausprobiert. Zur Zeit konzentriere ich mich hauptsächlich auf Parkour, Freerunning, Bouldern, Akrobatik und Partner-Akrobatik. Parkour und Freerunning überschneiden sich bei mir stark, da ich gerne experimentiere und die kreativen Bewegungen von verschiedenen Sport- und Bewegungsarten miteinander verbinde. 

Allgemein tue ich mich schwer mit Definitionen und Abgrenzungen – und dadurch mit Einschränkungen oder vielleicht sogar Ausgrenzung. Das gilt für mich auch für die verschiedenen Bewegungsformen. Ich denke, dass sich die Bewegungen aus den unterschiedlichen Bereichen gegenseitig bereichern und überschneiden können. Am liebsten spreche ich also von „Bewegung“. Das umfasst dann einfach alle vielfältigen Bewegungsformen (gehen, laufen, ziehen, springen, klettern, schieben, tragen, schwimmen, krabbeln, kriechen, aufstehen, drehen etc.). 

Ich bin in meinem Leben bisher sehr oft umgezogen. Dadurch war es für mich schwierig in irgendeinem Verein sesshaft zu werden und kontinuierlich eine bestimmte Sportart zu trainieren. Bei Parkour bzw. Formen kreativer Bewegung kann ich unabhängig von Ort und Menschen die eigene Kraft, Disziplin und Beweglichkeit trainieren, ohne von außen bewertet zu werden oder mich mit anderen zu vergleichen. Seitdem ich mit Parkour in Berührung gekommen bin, habe ich diese neue Perspektive gewonnen. Das hat mir sehr gefallen und passt super zu meiner Lebenssituation. Seither bin ich dabei geblieben.

Was ist dein Lieblingsspot und was ist für dich die größte Herausforderung bei Parkour? 

Ich liebe es, mich immer wieder neuen Herausforderungen an verschiedenen Spots der Welt zu stellen. Es ist großartig Neues auszuprobieren und die Herausforderungen, die vor Ort sind, zu packen. Das ermöglicht mir meine eigenen Grenzen besser kennenzulernen und neue Fähigkeiten zu entwickeln. 

Die Herausforderungen bei Parkour verändern sich ständig. Jedes Hindernis ist eine neue Herausforderung, ich kann verschiedene Bewegungen ausprobieren, die auch je nach Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, Wetterbedingung und aktuellem Körpergefühl angepasst werden müssen. Für mich ist interessant, die Effizienz zu trainieren, abhängig von eben genannten Aspekten. Wenn ich zum Beispiel einen Passe Muraille an einer für mich hohen Mauer schon sehr oft geübt habe, schwindet meine Kraft langsam und es fällt mir immer schwerer, nach oben zu kommen. Ich stelle mir dann die Frage, wie ich mich in dieser Situation trotzdem effizient weiterbewegen und mit diesem Umstand umgehen kann.

Warum findest du, dass Parkour dir gut tut? 

Parkour zu trainieren ist super flexibel, was Zeit, Ort und Trainingsdauer betrifft und kann alleine sowie mit einer Gruppe trainiert werden. Außerdem werden bei Parkour viele verschiedene Aspekte miteinander verbunden. Das führt zu psychischer und körperlicher Entwicklung, wie dem Überwinden von Ängsten und Blockaden, die sich im Kopf oder auch im Körper verfestigt haben. Das ständige Wiederholen und „dran bleiben“ an der Entwicklung von Bewegungen hilft mir, dies auch in andere Lebensbereiche zu übertragen. So vergesse ich nicht, welchen Weg ich für mich gewählt habe, sondern bleibe auf Kurs, auch wenn mein Weg nicht ohne Hindernisse ist. 

Auch wenn ich eine persönliche Veränderung erzielen möchte, ist es sehr wichtig dran zu bleiben und mich immer wieder selbst zu erinnern, was ich eigentlich möchte. Es ist oft schwer für uns Menschen, festgefahrene Muster und Automatismen von heute auf morgen aufzulösen oder zu verändern. Wenn wir es immer wieder aufs Neue probieren, können sich Körper und Geist langsam umgewöhnen oder entwöhnen. Das fasziniert mich.

Was bedeutet für dich „stark sein“? 

Aus meinen Erfahrungen im Leben bedeutet das an erster Stelle, an mir zu arbeiten. Mir ist es wichtig, mich im Alltagsgeschehen kontinuierlich selbst zu beobachten, so meine Selbsteinschätzung mit der Zeit zu entwickeln und meine persönlichen Grenzen immer besser zu kennen. 

Mit dieser Stärke bin ich zuerst einmal für mich selbst und meinen persönlichen Weg auf die beschriebene Art und Weise nützlich. Erst wenn ich mich selbst stark gemacht und Klarheit für mich gefunden habe, kann ich für andere Menschen auf inspirierende Art nützlich sein. Wenn ich selbst stark bin, kann ich weitergeben, was ich für mich nützlich gefunden habe. Diese starken Menschen können wiederum andere Menschen stark machen und so baut sich mit der Zeit ein immer größer werdendes Netz von starken Menschen auf 😉 

Stark sein bedeutet für mich, die eigenen Stärken und Schwächen zu verstehen und mit ihnen umgehen zu lernen.

Wie interpretierst du ÊTRE-FORT? 

ÊTRE-FORT kommt ja vom Satz „être fort pour être utile“, also „stark sein, um nützlich zu sein“. Das interpretiere ich in verschiedene Richtungen. 

Ein wesentlicher Themenbereich hängt für mich – als gehörloser Sportler – mit dem Bereich der Kommunikation zusammen. In unserer Gesellschaft und in den Kreisen, in denen ich mich bewege, kann ich mich in vielfältiger Weise mitteilen: Schreiben, Laut-, Gebärden- und Körpersprache. 

Die Sprache, durch die ich Informationen am einfachsten aufnehmen kann, ist die Gebärdensprache. Diese ist in der „hörenden“ Gesellschaft allerdings wenig verbreitet. Es ist sehr herausfordernd für mich, Informationen über die Lautsprache aufzunehmen. Durch Lippenlesen kann ich schätzungsweise 30% des Gesprochenen aufnehmen. Ich muss dann versuchen, die Lücken im Kopf mit Sinn zu füllen. Für den Austausch mit einem anderen Menschen mittels Lautsprache muss ich folglich große Anstrengungen unternehmen, um inhaltlich folgen zu können. 

„Stark sein, um nützlich zu sein“ bedeutet nicht zu zeigen, wie professionell ich Parkour machen kann, was für weite und krasse Sprünge oder Saltos ich kann, sondern viel mehr mit Geduld, Bescheidenheit und trotz vielen Wiederholungen stark zu bleiben. Das beziehe ich auf das Training und auf den Umgang mit meinen Mitmenschen. Auch Menschen, denen ich häufig begegne, vergessen schnell, dass ich da bin und nicht alles so einfach mitbekommen kann. Dann muss ich mein Umfeld immer wieder aufs Neue an meine speziellen Kommunikationsbedürfnisse erinnern. Vielen fällt es schwer, das für sich abzuspeichern und darauf einzugehen. Dafür muss ich sehr stark sein und mich ständig selbst daran erinnern nicht aufzugeben und immer und immer wieder aufs Neue daran zu arbeiten gleiche Kommunikationsbedingungen für mich zu schaffen. 

Nützlich sein bedeutet dann für mich, meinen Teil zum Gelingen von Inklusion beizutragen. Ich zeige Menschen mit praktischen Übungen die Besonderheiten und Herausforderungen im Leben von gehörlosen und schwerhörigen Menschen. Meiner Erfahrung nach verstehen Menschen das am klarsten und schnellsten durch das eigene Erleben. 

Helen Keller (eine bekannte taub-blinde Persönlichkeit) meinte „Blindheit trennt von den Dingen, Taubheit von den Menschen“. Das erlebe ich oft beim Training, im Studium, bei der Arbeit und im alltäglichen Leben. Ich versuche es dann so zu gestalten, dass ich damit zurechtkomme, was oft echt schwer ist. 

Ich habe leider häufig Aussagen erlebt wie „weil du taub bist, kannst du nicht mit Kunden kommunizieren“ oder „als Coach kannst du die Teilnehmenden nicht betreuen“. Das schmerzt. Zum Glück akzeptierten mich die Menschen bei ParkourONE so wie ich bin und ich lerne hier, mein Selbstbewusstsein und meine Freude am Leben aufzubauen.

Was gefällt dir an der Kleidermarke ETRE-FORT? 

ETRE FORT entwickelt echt vielfältige und praktische Kleidung. Bei den Pants haben die Taschen mehrere Funktionen für Schlüssel, Geld oder Kreditkarten. Die Hosen sind super bequem, optimiert für Bewegung sowohl fürs Training als auch für alltäglichen Tätigkeiten.

Seit ich meine ersten ETRE- FORT Klamotten habe, trage ich sie echt andauernd, egal ob zum Einkaufen, bei Vorstellungsgesprächen (ja tatsächlich), zur Arbeit oder auch beim Meditieren. 

Wenn ich ETRE- FORT Kleidung bei meinen Inklusions- und Diversityprojekten trage, erinnert mich das immer daran, mich immer weiter zu entwickeln, dass es vielfältige Arten zu denken gibt und dass ich stark sein muss, um nützlich sein zu können. 

Ein dickes Danke an das ganze ETRE- FORT Team für eure Unterstützung!

Was möchtest du anderen Traceur_innen mit auf den Weg geben? 

Träume, Vorstellungen oder Ziele könnt ihr mit Freude entwickeln und verwirklichen, wenn ihr seht und akzeptiert, dass es Sinn macht kleine Schritte zu gehen und mit viel Geduld und vielen Wiederholungen an euch zu arbeiten. Egal ob es um Bewegungen, Ideen, Gespräche oder das Verändern von Angewohnheiten geht. 

„Lebe im Jetzt, in der Kraft der Gegenwart“ (Eckart Tolle) und „träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum“ (Tommaso Campanella). 

Vergesst nicht: Es ist total normal, verschieden zu sein. Richard von Weizsäcker, ehemaliger Bürgermeister von Berlin und Bundespräsident, hat dazu mal einen echt tollen Artikel geschrieben. Ich hatte Gänsehaut beim Lesen!

Macht’s gut!