Bei dem Versuch, dem düsteren holländischen Wetter zu entkommen, entschloss ich mich spontan, einen Ausflug nach Berlin zu machen. Einer meiner Lieblingsmusiker spielte da und ein Wochenende später veranstaltete  einer meiner Lieblings Parkour Teams die vierte Ausgabe des Ashigaru Skillz Competition. Nach 11 Jahren Teilnahme und Besuchen von Parkour-Wettbewerben, hatte ich grosse Vorfreude, an einer solchen Veranstaltungen teilzunehmen. So entschied ich mich, diesen kleinen Text zu schreiben und einen Vlog über meine Erlebnisse im Jump 3000 Park mit einigen der coolsten Communities der Welt.

Bevor ich über das tatsächliche Event zu schreiben beginne, ich möchte ich kurz meine Meinung zu Competitions kundtun. Ich werde mich kurz fassen und werde auch in kommenden Insights wieder auf das Thema zurückkommen.

Meine erste Parkour Competition war der Barclay’s Card World Freerunning Championship 2008, der in London stattgefunden hat. Anschliessend habe ich bis 2015 so gut wie jedes Jahr teilgenommen. Ich habe dann aber realisiert, dass obwohl die Erfahrungen und Reisen toll waren, der eigentliche Wettbewerb nichts für mich war. Ich habe es nie ernst genommen. Die Tatsache, dass ich mich selbst darauf vorbereiten musste unter Druck aufzutreten, in Kombination damit beurteilt zu werden und mich mit Freunden zu vergleichen, hat mich nie angesprochen. Es hat mich nie dazu motiviert zu trainieren und mich zu steigern. Zusätzlich war es völlig gegen die Gründe die mich zu Parkour bewegt haben: Spass und Freiheit. Bis heute befürworte ich keine Competitions, auch wenn ich verstehe, dass sie eine unvermeidliche Notwendigkeit in unserer Disziplin sind. Ich verstehe somit auch, wenn Jemand ebendiese geniesst aus seinen eigenen Beweggründen. Trotzdem glaube ich, dass Parkour eine noch junge Sportart ist und die aktuelle Generation leidenschaftlich daran arbeitet, die besten Ideen für die Zukunft von Parkour zu finden und nicht aufhört, bis das perfekte Format da ist.

Dies passiert nur dank der Pionierarbeit vieler grosser Community Leader, die sie bisher geleistet haben…

Eine Skill competition ist die wahrste Form des Wettbewerbs wenn es um Parkour geht

Die Ashigaru Skillz Competition war die erste ihrer Art, die ich mir live angesehen habe. Ich war überrascht: super angenehme Stimmung! In der ersten runde, hat die Ashigaru Crew 10 verschiedene Challenges, die in der gesamten Halle verteilt waren, vorgestellt. Jeder dieser war einzigartig und verlangte spezielle Fähigkeiten, aber darauf komme ich später zurück. Jeder teilnehmende Athlet erhielt einen Zettel, wo die Veranstalter eintragen konnten welche Challenges erfüllt wurden und wie viele Versuche sie benötigten (sie hatten maximal 3 Versuche, um Punkte zu erhalten). Die Athleten konnten selbst wählen, in welcher Reihenfolge sie sich den Herausforderungen stellen wollten während ungefähr einer Stunde (bei der Dauer bin ich mir nicht mehr ganz sicher).

Bei dieser Runde zuzuschauen, fühlte sich genau so an, wie wenn man an einem Jam ist oder wenn Leute ihre eigenen Challenges zusammenstellen an einem Spot und nicht nach einem Versuch, coole Läufe für Social Media aufzunehmen. Es war ein Spiel, Jeder unterstützte Jeden und es wurde darüber diskutiert, wie die Challenges zusammen überwunden werden konnten. In dieser Runde waren die Herausforderungen zwar eher einfach, aber sehr verschieden, was heisst, dass nur erfahrene Traceure sie beim ersten Mal schafften. 13 der 50 Athleten kamen in die nächste Runde.

In der zweiten Runde, hat sich das Ashigaru Team 5 Challenges ausgedacht, die einiges mehr an Erfahrung verlangten. Die Athleten hatten zwei Minuten Zeit, soviele Challenges wie möglich zu meistern. In dieser Runde hatten die Teilnehmer als mit der Zeit zu kämpfen, und der Tatsache, dass sie die einzigen waren, die es versuchten und alle anderen zuschauten. Für mich war es sehr aufregend und nervenaufreibend, aber alle Zuschauer haben so mitgefiebert und die Stimmung war unglaublich freundlich und motivierend, dass ich mir vorstellen kann, dass es am Ende doch sehr viel Spass gemacht hat, selbst teilzunehmen.

Die finale Runde beinhaltete 3 noch schwierigere Challenges und die 5 verbleibenden Athleten hatten 5 Versuche so viele wie möglich zu erfüllen.

Da alle 4 Versuche brauchten um alle 5 Challenges zu vollbringen, wurde der Tie-Break mit einem “game of stick” entschieden. Schlussendlich machte der 18-jährige Schweizer Caryl Cordt-Moller beim ersten Versuch eines Stangen-Plyo-Präzi eine Punktlandung; gefolgt vom legendären Orange Guy, Tomás Zony und Pablo Wiedemann aus Berlin.

Der gesamte Tag hat sich angefühlt wie ein grosser Jam! Grossartige Stimmung, grossartige Leute!

Skill competitions können nur von Community Mitglieder kreiert und veranstaltet werden:

Das scheint ein wenig offensichtlich. Aber im Zeitalter des Aufstiegs von FIG, dem Verschwinden von Red Bull Art of Motion, AirWipp Challenge, Hop the Block und sogar 4 The Love of Movement Summer, erfreut mich ein Event wie die Ashigaru Skillz Competition in höchstem Mass. Es ist komplett von Community Mitgliedern organisiert worden – Menschen, die es lieben zu trainieren, den Sport lieben und daran interessiert sind mit Leidenschaft und Engagement an einem nachhaltigen und fairen Wachstum von Parkour zu arbeiten.

Darüber hinaus erfordert die Planung einer solchen Competition viel Erfahrung mit Parkour. Die Ashigarus mussten sich 18 Challenges überlegen, in 3 Runden aufgeteilt, und das Ganze unter Berücksichtigung des Niveaus der Teilnehmer. So, dass sie für möglichst viele zugänglich waren, aber nur die erfahrenen Traceure alle meistern können.

Die Challenges waren äusserst vielfältig und sehr ansprechend. Sie wurden in verschiedenen Bereichen des kleinen Veranstaltungsortes positioniert, so dass man einander nicht störte, wenn man sich zu 50st daran versucht.

Es fordert den Athleten, in allem gut zu sein!

Bevor es in unserer Community zu Skill Competitions kam, gab es hauptsächlich zwei Formate: Schnelligkeit und Style. Nach über 10 Jahren an Parkour Wettbewerben, wo die beiden gut vertreten waren, folgte das Skill Format mit viel Potential durch seine Loyalität zum echten Parkourtraining. Während einem schnellen Lauf ist beispielsweise Technik nicht immer ein Muss – denn ein Sprinter kann die Bestzeit eines Traceurs auf einer geraden Strecke schlagen! In einem Style Wettbewerb ist das Bewertungssystem subjektiv und die Akrobatik drängt richtiges Parkour oder Freerunning aus dem Vordergrund.

Skill Competitions fordern dich, in so vielen verschiedenen Aspekten von Parkour gut zu sein. Von der Kraft und Leistung zum Gleichgewicht und Kontrolle bis hin zur Anpassungsfähigkeit, Technik, Beidhändigkeit ist alles dabei. Es geht darum Grifftechniken zu beherrschen, die Dynamik und jedes weitere Detail von Parkour zu verstehen.

Jede Skill Competition wird verschieden sein, was bedeutet, dass jede Herausforderung einzigartig sein wird und einen anderen Ansatz verlangen wird um sie zu meistern.

Eine Skill Competition ist gut für dein „Inner Game of PK“:

Der mentale Aspekt dieses Formates ist unglaublich bereichernd. In der ersten Runde musst du versuchen, möglichst viele Challenges mit möglichst wenigen Versuchen zu meistern. Was so viel heisst wie die Fähigkeit zu besitzen zu visualisieren, ruhig zu sein und seinen eigenen Fähigkeiten zu vertrauen – das ist der Weg zum Erfolg. In den zwei finalen Runden, sind Druck und Spannung teil des Rezeptes. In dem Moment gibt es nur dich gegen die Zeit oder einer limitierten Anzahl Versuche bei einer schwierigen Herausforderung. Die mentale Kontrolle spielt während diesen letzten Runden eine zentrale Rolle.

In den älteren Formaten Schnelligkeit und Style, kann ich mir vorstellen dass ein wenig Adrenalin nützlich sein kann. Bei einer Skill Competition jedoch muss die innere Ruhe und Fokus die äusseren Einflüsse überwiegen.

Ausserdem wird einer solchen Skill Competition zugrunde liegenden Strassenweisheit ebenfalls getestet: Geduldig sein, die Umgebung kennen, wissen wann man eine Challenge probieren soll, Kurven und Winkel verstehen und vor allem: DIE SCHUHSOLEN ABREIBEN!

Meine Wünsche und Vorhersagen für die Zukunft von Skill Competitions:

Ich glaube, dass die Zukunft des Sports in unserer – Traceure und Traceurinnen, Freerunner, Hallenbesitzer, Vereinsführer und andere Mitglieder der Core Community – Hand liegt, wenn einige der grössten Parkourevents der Welt abgesagt und gleichzeitig mit FIG eine Übernahme stattfindet. Skill Competitions können für die grosse Masse sehr ansprechend und unterhaltsam werden. Trotzdem ist und bleibt es ein Ereignis für uns, die Parkour praktizieren und lieben.

Ich erhoffe mir, dass mehr und mehr von ähnlichen Events auf der Welt zustande kommen und von lokalen Communities organisiert werden – hoffentlich auch DRAUSSEN!!! Es ist der Höhepunkt von “Parkour gaming” einen Event da zu organisieren, wo er wirklich hingehört. Es wird ein Jam mit einer Anzeigetafel sein. Solange es unseren Lebensstil und unser tägliches Training nicht beeinträchtigt, können Outdoor Skill Competitions die Zukunft des Sports sein. Es spielt dabei keine Rolle, ob es eine Art Underground Veranstaltung oder eine Mainstream Sendung wird.

Zum Schluss möchte ich das Ashigaru Team in höchsten Tönen loben für die geniale Veranstaltung, die sie auf die Beine gestellt haben. Ein bisschen von meinem Herzen ist immer noch in dieser Halle mit dieser genialen Gemeinschaft. Ein weiteres Lob gehört allen Athleten, die teilgenommen haben an der Competition. Ihr rockt!