Eigentlich hatte ich mir ein ganz anderes Thema vorgestellt für die PK Insights für den aktuellen Monat… Der Frühling macht sich breit! Die Strassen riechen frisch und es sieht aus als wären viele Spots auch über längere Zeit trocken. Mein Körper hat sich gut angefühlt, die Sommermotivation war im Anmarsch. Dann haben sich jedoch meine unteren Rückenmuskeln für einen Streik entschieden.

Wie bei den meisten Geschichten über Verletzungen die ich bisher gehört habe, hat alles mit etwas “dummem” angefangen. Ich war nicht am trainieren, ich war nicht mal dabei, Sprünge zu machen. Ich war Drinnen, nach einer zweistündigen Autofahrt und wollte eine Pose machen. Die abrupte schlechte Bewegung hat dazu geführt, dass sich meine Rückenmuskeln sich verspannt haben und nun fühlte ich mich wie eine rostige, verklemmte, verdrehte Kette.
Also habe ich mich dazu entschlossen, euch zu erzählen, was meine Gegenmassnahmen waren und wie ich mit der erzwungenen Pause umgehe:

1 – Rücksprache mit Spezialisten:

Einige von uns Parkourmenschen tendieren dazu der westlichen Medizin zu vertrauen. Ich verstehe diesen Standpunkt, ich hatte selbst einige nicht herausragende Erlebnisse, wo ich in Krankenhäuser Hilfe gesucht habe. Einige Ärzte sind zeitlich eingeschränkt durch Krankenversicherungen und dem öffentlichen Gesundheitssystem. Zusätzlich sehen sie andauernd solche Verletzungen wie verstauchte Knöchel, gebrochene Handgelenke oder andere kleinere Verletzungen. Verallgemeinerungen beiseite, es ist möglich, dass manche deine Heilungskräfte unterschätzen und ihre schnelle Beurteilungen überschätzen aufgrund vorhergehender Erfahrungen mit anderen Patienten.
Vor ungefähr einem Jahr erlitt ich eine ziemlich schwere Verletzung, die einzige in meinem bisherigen PK Leben. Nachdem ich mit meinem gesamten Körper auf meine Schulter gekracht bin (auch bei etwas dummem), habe ich 4 verschiedene Ärzte besucht, die von meiner Versicherung gedeckt waren. Alles sehr kurze Konsultationen, sehr oberflächlich und nicht zufriedenstellend. Ihre Empfehlung war es jeweils, Schmerzmittel zu nehmen, auf Eis legen und ruhen. Einige Monate nach den Arztbesuchen waren die Schmerzen immer noch da und ich entschloss mich, einen privaten Physiotherapeuten zu besuchen. Es stellte sich heraus, dass mein Schlüsselbein leicht verdreht war und nach wenigen Sitzungen war meine Schulter endlich wieder entspannt.
Die westliche Medizin ist in der Tat sehr fortgeschritten und hilfreich. Spezialisten können dir jedoch effektiver helfen. Aus eigener Erfahrung empfehle ich einen guten Physiotherapeuten, Chiropraktiker oder Sportorthopäden.
Und Leute..! Google ist grossartig! Wirklich. Jedoch nicht im geringsten wenn es um deinen Körper und deine Gesundheit geht. Deine Suche beginnt mit einer leichten Erkältung und du endest mit der festen Überzeugung, dass du an Knochenkrebs hast.

2 – Manchmal geht es nur darum, eine Auszeit zu haben

Parkour ist heavy… Auch wenn es sich anfühlt als wärst du in guter Verfassung und es dich in einen Superhelden verwandelt, der jeden Tag trainieren kann. Dein Körper braucht trotz allem Ruhe, genau so wie dein Geist.
Gönn dir hin und wieder mal eine Pause, und zwar mindestens einen oder zwei Tage. Ich weiss, dass das sehr hart sein kann, vor allem im Sommer, wenn man am liebsten immer draussen am Trainieren ist. Aber versuch auch einfach mal so raus zu gehen und der Verführung der Wände und Stangen zu widerstehen. Denn es ist es wirklich wert.
Und wenn du verletzt bist, beschäftige dich anders. Du musst nicht Parkour hassen oder dich darüber aufzuregen, dass du nicht trainieren kannst. Mach andere Dinge, die dich glücklich machen. Beispielsweise mit Freunden chillen, schwimmen, yoga, bowling, was auch immer dir einfällt. Beschäftige deinen Kopf und lies Bücher, lerne ein Instrument oder Japanisch. Oder schreibe einfach Gedanken zu Parkour auf und teile sie 🙂

3 – Weiter trainieren…

Parkour ist grossartig! Es ist eine sehr vollständige Tätigkeit. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es ein paar Übungen gibt, die du machen kannst, wenn du verletzt bist, ohne dir selbst zu schaden oder es zu verschlimmern. Du weisst, was ich meine, also werde ich dir hier keine Beispiele geben. Du wirst verschiedene Wege finden, dich zu bewegen. Stelle nur sicher, dass du dich nicht in Gefahr bringst.

Beobachtung und Visualisierung sind auch Training. Du kannst trotzdem mit deinen Freunden zum Training gehen und ihnen zusehen. Ideen geben, dich inspirieren lassen und motiviert bleiben. Ich weiss, dass es eine Qual ist, zu sehen, wie Leute springen und du gleichzeitig nicht trainieren kannst, aber bleib stark! Nimm dir die Zeit und trainiere auf andere Weise.

Du kannst auch verschiedene Fähigkeiten üben, wie Handstand, Videobearbeitung / Filmen, Kendama, Slackline, Jonglieren …

4 – Screentime

 
Von der ersten kleinen Verletzung an hatte ich eine Aktivität, die mir am meisten geholfen hat, motiviert zu bleiben. Innerhalb des Parkour-Universums habe ich mir Videos angesehen.

Damals war Youtube die Hauptquelle für Videos und es war mehr als genug, um mich glücklich zu machen und zu inspirieren, wieder fit und stark zu werden. Heutzutage kannst du Stunden vor dem Bildschirm verbringen und Clips auf allen Social-Media-Plattformen ansehen.

Ich versuche es jedoch nicht zu übertreiben. Sport und soziales Leben sind wichtig, um dich glücklich zu machen.

5 – Lerne dein „Parkourloses“ -Selbst kennen.

Einmal traf ich einen professionellen Bergsteiger in Ollerup – einem Bewegungsparadies in Dänemark – während eines Parkour Jam. Wir hatten unglaublich nette Gespräche! Eines davon handelte davon, warum er nicht in einem warmen Land auf irgendwelchen Bergen am klettern war. Es stellte sich heraus, dass er einige persönliche Probleme hatte, und um sie zu überwinden, beschloss er, sein Ego und seinen „Ruhm“ loszulassen und sich selbst zu treffen, ohne der Kletter-Typ zu sein.

Mir wurde klar, dass das auch für mich wichtig sein könnte. Obwohl Parkour meine grösste Leidenschaft ist, möchte ich nicht nur Parkour-Athlet sein oder mein ganzes Leben nur als Parkour-Typ leben. In meiner Freizeit versuche ich zu sehen, wie mein Leben ohne Mauern und Strassenspass wäre. Ich habe in ganz normalen Jobs gearbeitet und bin auf die Universität gegangen, die ich nicht abgeschlossen habe (oops, sorry Mom).

Mein Punkt ist: du veränderst dich, das Leben verändert sich, die Welt verändert sich. Verlasse dich nicht nur auf eine Leidenschaft, sondern freue dich darauf, leidenschaftlich zu sein. Lebe das Glück, lerne Hobbies zu geniessen und dankbar zu sein dass du dein Leben leben darfst. Parkour ist immer für dich da und es wird immer einen Platz in deinem Herzen haben, aber es ist vielleicht ein bisschen zu viel Druck, wenn du es als einzigen Grund deines Lebens siehst.

6 – Nun ist ja fast alles geklärt..

Respektiere deinen Körper! Gehe nicht immer “fullpower” und nimm dir Zeit, um den Fortschritt zu spüren, den du nach der Verletzung machst, und du wirst schon bald stärker als je zuvor. Es ist ein bisschen frustrierend, wenn du wieder mit dem Training beginnst und erkennst, dass du nicht so stark bist wie zuvor. Es ist aber normal. Also nimm’s leicht. Andererseits wirst du manchmal wieder mit Energie und Motivation erfüllt und überschreitest die Grenzen dessen, was dein Körper tatsächlich zu tun bereit ist. Hör also auf deinen Körper und geniess das Training.

Schliesslich gehen wir, wie in jedem anderen Leben, durch Höhen und Tiefen, und das Leben ist eine Achterbahnfahrt. Aber wie Rocky gesagt hat: „it’s not about how hard you can hit… It’s about how you can get hit and keep going (Es geht nicht darum, wie schwer man schlagen kann … Es geht darum, wie man getroffen werden kann und weitermachen kann)“ #cheesy

 

Jetzt bist du dran. Erzähl uns von deiner Einstellung bei einer Verletzung und wie du dich überwindest.

TRAIN HARD – TAKE CARE